Warum das
«wirtschaftlich günstigste angebot» auswählen ?

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Die Sozialpartner des Sektors der Gemeinschaftsverpflegung FERCO (der europäische Verband der Gemeinschaftsverpflegung) und EFFAT (der Europäische Verband der Gewerkschaften der Bereiche Lebensmittel, Landwirtschaft und Tourismus) haben festgestellt, dass zahlreiche Kunden unabhängig davon, ob sie unter privatwirtschaftlicher oder öffentlicher Trägerschaft arbeiten, die Verpflegungsdienstleistungen, die sie ihren Mitarbeitern oder Gästen bieten, an externe spezialisierte Unternehmen vergeben.
Zur Auswahl eines Dienstleisters nutzen diese Kunden Ausschreibungsverfahren auf lokaler, regionaler, nationaler und auch europäischer Ebene, je nach Umfang des Vertrages. Zur Zeit erhalten in diesen Verfahren meist diejenigen Firmen den Zuschlag, die das billigste Angebot eingereicht haben.
EFFAT und FERCO sind sich der Haushaltsbeschränkungen der öffentlichen und privaten Träger bewusst. Sie sind jedoch der Auffassung, dass diese Vergabepraxis von Aufträgen an die billigste Firma nicht im Interesse der Betroffenen ist.
Die Auswahl eines Dienstleisters einzig und allein auf Grundlage des Preises führt zu einem verstärkten Wettbewerb zwischen den Catering-Unternehmen und bringt sie dazu, ihre Kosten so weit wie möglich zu senken. Diese Rationalisierung erfolgt oftmals zu Lasten der Qualität der Mahlzeiten und der erbrachten Dienstleistungen und kann auch Risiken der Lebensmittelsicherheit für die Gäste mit sich bringen. Darüber hinaus hat dies äußerst negative Auswirkungen auf die Arbeitsplätze und die Arbeitsbedingungen der ArbeitnehmerInnen des Sektors und sogar auf die Lebensfähigkeit der Catering-Unternehmen zur Folge.
Die Politik des niedrigsten Preises kann sich auch negativ auf das Image des Auftrag gebenden Kunden auswirken, wenn der Eindruck entsteht, die Kosten seien wichtiger als die Qualität der Mahlzeiten.
FERCO und EFFAT sind der Meinung, dass die herausragende Bedeutung, die der Preis bei der Vergabe von Verträgen in der Gemeinschaftsverpflegung spielt, auch mit den Schwierigkeiten des Kunden zusammenhängt, seine Anforderungen in punkto Qualität in den Ausschreibungen zum Ausdruck zu bringen, sowie mit dem Fehlen geeigneter Instrumente zur Gewichtung, Bewertung und zum Vergleich von Angeboten, mit denen nicht nur der Preis sondern auch die Qualität berücksichtigt werden können.
Aufgrund dieser Feststellungen haben EFFAT und FERCO die Initiative ergriffen, gemeinsam einen «Leitfaden für das wirtschaftlich günstigste Angebot» zu erarbeiten. Im Interesse der Kunden und deren Gäste, aber auch im Interesse der Catering-Unternehmen und ihrer Arbeitnehmer wird damit eine Vorgehensweise vorgeschlagen, mit welcher bei der Vergabe von Gemeinschaftsverpflegungsverträgen hohe Qualitätsstandards angesetzt werden, ohne den Preis zu vernachlässigen.
Damit wollen FERCO und EFFAT den betroffenen Trägern die notwendigen Instrumente in die Hand geben, Verträge auf der Grundlage des besten Preis-Leistungsverhältnisses zu vergeben, und dadurch den Grundsatz des «wirtschaftlich günstigsten Angebotes», der von der europäischen Gesetzgebung und der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes zugelassen und sogar empfohlen wird, fördern.
Die «europäischen Gäste» haben sich auch stark verändert. Sie sind anspruchsvoller und ihre Erwartungen komplexer geworden. So wurde folgendes festgestellt:

  • eine umfassende Nachfrage nach Qualität;
  • die Erwartung eines breiten und abwechslungsreichen Speisenangebotes;
  • ein Bedürfnis nach Komfort und Ästhetik (Akustik, Ausstattung, Möblierung, etc.);
  • eine Nachfrage nach attraktiven und unterschiedlichen Darreichungsformen;
  • die Beachtung der Ernährungswissenschaft;
  • hohe Ansprüche an Hygiene und Sicherheit der Lebensmittel;
  • ein Bedürfnis nach Informationen zu den Mahlzeiten.

Gleichzeitig werden die gesetzlichen Bestimmungen (in den Bereichen Hygiene und Lebensmittelsicherheit, Umweltschutz, Arbeitsbedingungen und Aus- und Weiterbildung der Arbeitnehmer, Sicherheit der Gäste etc.) immer strenger, wobei die Caterer und die Kunden immer mehr Verantwortung übernehmen müssen.
Vor diesem neuen Hintergrund lagern viele öffentliche und private Kunden ihre Verpflegungsdienstleistungen an spezialisierte Firmen aus. Damit stehen diese Kunden vor neuen Schwierigkeiten, die sich aus der Auswahl eines geeigneten Dienstleisters ergeben. Sie müssen die für die Bedürfnisse des Kunden und seine Möglichkeiten (insbesondere auch die finanziellen) optimale Lösung auswählen und dabei die Gepflogenheiten und die zahlreichen gesetzlichen Bestimmungen der Gemeinschaftsverpflegung berücksichtigen.
Mit der Entscheidung für das wirtschaftlich günstigste Angebot können all diese Aspekte berücksichtigt und das Verfahren der Auftragsvergabe bestmöglich gestaltet werden.
Für FERCO und EFFAT steht fest, dass ein echter Mehrwert entsteht, mit positiven Auswirkungen für alle Beteiligten, wenn sich sowohl öffentliche als auch private Auftraggeber allgemein für das wirtschaftlich günstigste Angebot entscheiden.
Ein solcher Ansatz führt zwangsläufig zu:

  • größerer Transparenz der Vergabeverfahren;
  • einer besseren Analyse des Bedarfs der Kunden;
  • einem besser auf die Ansprüche der Kunden und ihrer Gäste angepassten Angebot;
  • einem höheren Niveau der Qualität, der Hygiene und der Lebensmittelsicherheit;
  • Garantien in den Bereichen Beschäftigung, Arbeitsbedingungen und Ausbildung für die ArbeitnehmerInnen von Catering-Unternehmen.
Thematik :

Vergabe von Gemeinschaftsverpflegungsaufträgen

Inhalt des Leitfadens

Mit der finanziellen Unterstützung der EU
Grant Agreement
VS/2004/0655 SI2.39852